6 Gründe Warum Menschen in den schulden stecken bleiben

Nach über fünf Jahren sind wir nun seit Oktober schuldenfrei. Es war eine verdammte, harte Zeit mit sehr vielen Opfern. An manchen Tagen haben wir an uns gezweifelt, ob wir den richtigen Weg gehen. Aber was wäre die Alternative gewesen? Länger in den Schulden zu stecken und diese nach dem Plan der Bank abzuzahlen? Nein, auf keinen Fall.

Grund Nummer 1: Seine Angewohnheiten zu verändern ist unbequem

Seine Angewohnheiten zu ändern ist hart. Es fängt schon damit an jeden Monat ein Budget zu schreiben. Und mit dem Budget ist es nicht getan. Man muss sich am Riemen reißen und daran halten. Bei uns ist fast jeden Monat etwas schiefgegangen: Autoreparaturen ohne Ende zum Beispiel. Aber nur weil ein Problem auftaucht, darf man nicht das ganze Budget über den Haufen werfen. Viele sagen sich, okay, der Monat ist nun eh schon verloren. Und er ist es nicht. Ohne Budget, wären wir heute nicht schuldenfrei. Gebt nicht auf! Hürden sind ganz normal und jeder muss über die ein oder andere Hürde springen.

Grund Nummer 2: Etwas darauf geben, was andere von einem denken

Wir waren zwei Akademiker, frisch von der Uni in 2012. Wir kommen beide aus Arbeiterfamilien und waren auf uns alleine gestellt. Wir hatten gar nichts, als wir in Deutschland gelandet sind. Ein paar Fotoalben aus unserer Kindheit und die Spielsachen unseres Hundes. Wir haben Möbel in der Verwandtschaft gesammelt und den Rest Secondhand zusammen gesucht. Unser Schlafzimmer bestand aus einer Luftmatratze und das Kinderzimmer meiner Cousine. Wir waren so dankbar.

Vintage Sofa, Budget, Neustart
Unser second-hand (heute würde man vintage sagen) Sofa, Geschenk von meinem Vater (der froh war es los zu sein).

Auf der anderen Seite haben unsere Freunde und Kollegen im gleichen Alter Häuser gebaut und neue Autos gekauft. Wir hatten nur unsere gebrauchten Räder, die uns von Familienmitgliedern überlassen wurden. Wir waren zufrieden mit dem, was wir hatten, den wir wussten wir haben noch einen Schuldenberg vor uns. Die Schulden sind nur temporär!

Ein paar Jahre später, wurde mir erst bewusst wie ungewöhnlich unsere Art zu leben war. Unsere Tochter war mittlerweile geboren und tanzte Ballett. Im Wartebereich waren wir immer vier Mütter und haben uns über die Kinder und irgendwann auch über die Arbeit unterhalten. Mit einer Mutter bin ich dann auch mal ins Cafe gegangen und sie war ehrlich. Sie sagte mir, sie kann sich vorstellen, was wir verdienen und war sehr verwundert über mein Aussehen. Man konnte wohl sehen, dass wir keine Markenklamotten trugen und sie hat auf dem Parkplatz auch unser Auto gesehen. Damals wie heute tragen wir Jeans und Pullover von H & M, C & A und Aldi. Nur nicht mehr so ausgewaschen.

Meine Kollegen machten den ein oder anderen Scherz über mein Auto. Ja, die fast 20 Jahre alte Rostlaube war unübersehlich in der Tiefgarage (und manchmal auch unüberhörbar). Aber ich wusste, dass ist nicht für immer. Jetzt fahre ich ein rostfreies, zehn Jahre altes Auto, dass in der Tiefgarage nicht mehr auffällt. Und das übrigens ganz ohne monatliche Raten begleichen zu müssen! Leider sind viele Menschen darauf zu bedacht, was andere von ihnen denken und es hält sie zurück ihre Ziele zu verwirklichen. Wie traurig ist das?

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Unser alter verrosteter Mazda

Grund Nummer 3: Sie haben die Hoffnung verloren

Ja, an dieser Stelle haben wir uns schon oft befunden in den letzten fünf Jahren. Der Schuldenberg war wie ein Schlag in die Magengrube, ein dunkler Ort, ein unbeschreibliches Gefühl der Ohnmacht zeitweise. Die Kehle war wie zugeschnürt, als wir im ersten Monat (Dezember 2014) ganze 500 Euro getilgt haben. Es war viel Geld für uns und auf dem Tracker rechts am Rande war der Fortschritt noch nicht einmal sichtbar. Das tat verdammt weh.

Wir standen vor einem Schuldenberg in Höhe von $88,937 Dollar (damals noch weniger, da sich in fünf Jahren ja noch Zinsen angesammelt haben). Das war am Anfang mehr als unser gesamtes, gemeinsames Bruttojahreseinkommen. Wir waren froh einen Job gefunden zu haben, aber der war in Oberbayern und Mieten waren damals schon hier schon hoch (jetzt sind sie es jenseits von Gut und Böse). Ich hatte als Erstes einen Job und die ersten fünf Monate haben wir von meinem Gehalt gelebt. In dieser Zeit haben wir uns nur Nudeln mit Tomatensoße leisten können, Hundefutter gab es günstig bei Aldi und wir schliefen auf einer Luftmatratze, die ständig platt war. Die Waschmaschine im Keller war mal wieder kaputt und wir haben unsere Wäsche in der Badewanne gewaschen. Ich erinnere mich noch an unseren Hochzeitstag. Den haben wir auf dem Balkon verbracht mit einer Tiefkühlpizza aus dem Discounter.

Es war keine schöne Zeit. Aber wir wussten, wenn wir unsere Schulden nach Plan abzahlen, dann hängen diese noch über 20 Jahre über uns. Für viele ist es normal. Schulden nach Plan über viele, viele Jahre abzuzahlen. Aber die Schulden haben sich wie ein Klette angefühlt. Wir wollten Freiheit! Und ihr hoffentlich auch. Und wenn dich Freiheit nicht motiviert, rechne einmal die Zinsen aus, die du über die nächsten Jahre zahlen wirst. Und diesen Betrag rechnest du nun um in Arbeitsstunden. Das müßte doch Ansporn genug sein, oder? Falls nicht, empfehlen wir dir dieses Buch. Der englische Titel heißt: Your money or your life. Treffender geht es nicht.

Grund Nummer 4: Schulden haben keine Priorität

Viele Menschen haben sich mit den Schulden einfach arrangiert. Für sie sind Schulden so normal wie GEZ zahlen. Es gehört für sie einfach dazu. Eine Freundin von uns musste mit ihrer Familie umziehen, da dass Haus von einem Investor gekauft wurde. Sie bekam zwar eine kleine Entschädigung, aber der Umzug und eine neue Küche mussten finanziert werden. Ich habe sie versucht zu überzeugen, mit uns zusammen die Schulden anzugehen und uns gegenseitig zu motivieren. Aber sie hatte kein Interesse. Wir sind nun schuldenfrei und sie lebt weiterhin am Rande des finanziellen Wahnsinns. Sie war mit ihrer Familie jedes Jahr im Urlaub und fährt ein neueres Auto. Tauschen möchte ich trotzdem nicht.

Grund Nummer 5: Sie denken sie verdienen nicht genug Geld, um ihre Schulden zu tilgen

Jeder Schuldnerberater hätte uns gesagt, wir sollten Insolvenz anmelden (wäre das möglich gewesen). Unsere Schulden überstiegen immerhin unser Bruttojahresgehalt bei weitem in 2012. Es hat uns über fünf Jahre an harter Arbeit gekostet die Schulden zu tilgen. Wir haben Monat für Monat gekämpft. Es gab schlechte Monate, da haben wir nur 60 Euro getilgt. Aber jede Tilgung zählt. Und es gab auch einige richtig große Stolpersteine, wie Jobverluste und Insolvenz des Arbeitgebers. Im Nachhinein, war jedoch jeder Jobverlust eine Chance unser Einkommen zu verbessern. Versteh mich nicht falsch, seinen Job zu verlieren ist ein einschneidendes Ereignis und tut weh. Insbesondere die Insolvenz war hart, da dass gesamte Arbeitsumfeld von einem auf dem anderen Tag weg war. Wir haben die Chance genutzt zu recherchieren und neu auszurichten. Auch habe ich schon einigen Familienmitgliedern und Freunden mit der Erstellung ihres Lebenslaufes und Anschreiben geholfen mit der Hilfe dieser Vorlagen (lasst euch vom Titel nicht abschrecken, das klappte mit allen Bildungsabschlüssen und Branchen). Und ich hatte eine sage und schreibe 100 % Erfolgsquote.

Wir haben jede Möglichkeit genutzt, um noch Geld nebenher zu verdienen. Wir haben Sachen, die wir nicht mehr benötigt haben, verkauft. Ich habe die Haare meines Mannes geschnitten und so vieles mehr. Es war ein Kampf! In fünf Jahren wir haben nicht nur unser Einkommen gesteigert, sondern auch immer wieder unsere Ausgaben hinterfragt. Um unsere Ausgaben gering zu halten, haben wir bis letztes Jahr zu viert (plus bis 2019 mit großem Hund) auf 60 m2 gelebt, um unsere Mietkosten möglichst gering zu halten. Es war furchtbar! Ich beschönige es nicht. Aber es war es wert. Wie gesagt, der Schmerz der Schuldentilgung ist nur temporär.

Grund Nummer 6: Sie haben keinen Plan und keine fest definierten Ziele

All unsere Freunde (wir lieben sie und daher ist es natürlich kein Ausschlusskriterium) haben kein Budget. Sie sagen uns zwar, wie toll sie es finden, dass wir nun schuldenfrei sind, aber sie benötigen kein Budget. Man könnte meinen, ich versuche ihnen Tupperware zu verkaufen. Sie haben Ziele, aber kein Budget! Wie verfolgt man ein Ziel ohne Plan? Unsere Ziele (der Umzug und ein langersehnter Urlaub, der aufgrund von Covid-19 erst einmal auf Eis liegt) haben uns motiviert und wir haben sie uns in schlechten Zeiten immer wieder vor Augen geführt.

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Wenn ihr Hilfe benötigt:

Hier könnt ihr unsere kostenlose Budget-Vorlage nutzen. Um, euer Ziel im Auge zu behalten könnt ihr euren Fortschritt hier sichtbar festhalten auf unseren kostenlosen Trackern (egal ob ihr Schulden tilgt, auf ein Ziel spart oder Rücklagen bildet). Und wenn ihr absolut ratlos seid, schreibt uns eine E-Mail.

Bild: Canva

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