Krisenzeiten: Schulden Tilgen oder Sparen?

Der Juli nähert sich seinem Ende und ich befinde mich weiterhin in Kurzarbeit. So wie mehrere hunderttausende Menschen in Deutschland auch. In den letzten Wochen haben sich die Nachrichten überschlagen: Stellenabbau bei den Autokonzernen, Geschäfte gehen Bankrott (wir wissen wie sich das für die Mitarbeiter anfühlt!) und schließen (okay, einige hatten schon vor Corona Probleme), und es wird heftig über eine zweite Welle, Konjunkturprogramme und Schulschließungen diskutiert. Von unserer alten pre-Covid-19-Normalität sind wir noch weit entfernt. Ja, ich glaube, sie wird wieder kommen, ich bin Optimist. Die Frage ist nur wann und nicht ob sie wieder kommen wird. Wir haben daher unseren Schuldenschneeball angehalten und stocken nun unsere Rücklagen auf. Um zu sehen, ob das auch für eure Situation die richtige Entscheidung ist, gehen wir mit euch Schritt für Schritt durch eure finanzielle Situation, damit ihr entscheiden könnt, was ergibt für euch mehr Sinn: Schulden tilgen oder Rücklagen aufstocken?

Schritt 1: Wie sicher ist mein Arbeitsplatz?

Befindet ihr euch wie ich in Kurzarbeit oder vielleicht auch in der Probezeit wie mein Mann? Mein Mann ist noch bis Ende August in Probezeit und unser Betriebsrat hat eine Vereinbarung getroffen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen bis März 2021 geben soll. Das heißt, wenn die Probezeit vorbei ist, sind unsere Einnahmen bis auf Weiteres “gesichert.” Klar, kann die Firma auch insolvent gehen, aber diesmal sorgen wir besser vor. Aber dazu gleich mehr.

Jetzt erst einmal zu euch. Wie ist die derzeitige wirtschaftliche Lage bei eurem Arbeitgeber? Habt ihr einen befristeten oder unbefristeten Vertrag? Wie sicher sind eure Jobs? Seid ihr in Kurzarbeit so wie ich? Wird bereits über Kündigungen diskutiert? Oder könnt ihr beruhigt schlafen, weil ihr die Jobgarantie eines Beamten habt? Wenn letzteres auf euch zutrifft, dürft ihr gerne mit den Schritten weiterverfahren und eure Schulden in Schritt 2 tilgen. Ansonsten werfen wir nun einen Blick auf unsere Rücklagen.

Schritt 2: Wie hoch sind meine Rücklagen?

Erster Schritt: Bankkonto checken. Wir sind momentan in Schritt 2 unserer Reise in die finanzielle Unabhängigkeit. Das heißt wir haben in Schritt 1 unsere 1.000 Euro Rücklagen für die kleinen Notfälle zurückgelegt. Wir sind nun in Schritt 2 und tilgen unsere Schulden vom kleinsten zum größten Kredit. Nach fünf schweren, langen Jahren sind wir nun endlich beim letzten Kredit von insgesamt 14 Krediten angelangt.

Da auf Dauer 1.000 Euro nicht für größere Katastrophen reichen (sprich Insolvenz des Arbeitgebers, Arbeitslosigkeit, etc.), werden die Rücklagen in Schritt 3 auf die Ausgaben von 3 bis 6 Monaten erweitert. Dave sagt jedoch, wenn ein Sturm aufzieht (und oh Gott, Covid-19 ist ein Sturm!), dann halten wir den Schuldenschneeball an und sparen was geht. Wir machen das, solange bis der Sturm vorüber ist und nehmen dann die Ersparnisse (bis auf die 1.000 Euro in Schritt 1) und tilgen unsere Schulden weiter vom kleinsten zum größten Posten. Alle Raten werden natürlich weiterhin bedient. Den gerade jetzt brauchen wir nicht auch noch Mahnungen in unserem Briefkasten.

Jetzt überweisen wir jedoch das Geld, welches wir normalerweise noch zusätzlich auf die Tilgungsrate gepackt hätten, auf unser Sparbuch. Und das machen wir bis der Sturm (oder wollen wir schon Hurricane sagen) vorüber ist und wir sicher sein können, dass unsere Einnahmen gesichert sind. Wir haben beschlossen bis September jeden Cent, der übrig ist zur Seite zu legen aus mehreren Gründen. Erstens sind für uns die Tilgungen bis zum 30. September ausgesetzt worden von der US-Regierung, welche unser Gläubiger ist. Da wir wie verrückt in den letzten Jahren getilgt haben, hätten wir für viele Monate sowieso nichts zahlen müssen, aber die Pause bedeutet für uns auch, es häufen sich keine weitere Zinsen an. Zweitens, im September ist die Probezeit meines Mannes vorüber. Das heißt, wenn die Firma nicht bankrott geht, ist sein Job erst einmal sicher. Sprich, im September werden wir uns entscheiden, ob wir unseren letzten Kredit tilgen (können), oder weiter an den Rücklagen festhalten und diese aufstocken.

Solltet ihr bereits Rücklagen in Höhe von mindestens drei Monatsausgaben haben, dann könnt ihr meiner Meinung nach getrost weiter eure Schulden nach dem Schneeballprinzip tilgen. Im schlimmsten Falle sollte es nämlich kein Problem sein, ALG I innerhalb von drei Monaten bewilligt zu bekommen. Sollte natürlich der Fall eintreten, dass ihr eure Arbeit verliert, dann wird der Schuldenschneeball angehalten. Dann gehen die vier Wände vor. Mehr dazu hier.

Warum ihr euch nicht auf den Staat verlassen könnt

Ich kann euch nur raten, falls ihr euch unsicher bezüglich eurer Stelle seid, die Rücklagen nun so schnell wie möglich auszubauen! Warum fragt ihr euch?

Wie ihr wisst haben wir eine Insolvenz des Arbeitgebers meines Mannes im Januar durchgemacht. Damals kam der Insolvenzverwalter und hat erklärt, es sollen alle Mitarbeiter ganz normal weiterarbeiten, das Gehalt übernimmt der Staat in Form des Insolvenzgeldes durch die Bundesagentur für Arbeit. Das war im Januar. Wir haben bis heute (Mitte Juli) lediglich einen Vorschuss in Höhe von 500 Euro erhalten. Damit kann man keine Familie ernähren. Wir mussten dann für die zwei Monate Arbeitslosengeld beantragen, obwohl er eigentlich nicht arbeitslos war und es war ein bürokratischer Jungle für welches das Onlinesystem der Bundesagentur gar nicht ausgelegt war. Und das war vor Covid-19 als die Behörden noch offen hatten. Jetzt Mitte Juli sind die Unterlagen vom Insolvenzverwalter per Post gekommen, um unsere Ansprüche auf die ausgebliebenen Gehälter anzumelden mit einer Frist im September. Das heißt wir werden vielleicht im Herbst, wenn überhaupt, Geld auf unserem Konto sehen. Falls genügend Geld aus der Insolvenzmasse vorhanden ist und wir die Gehälter bzw. einen Anteil bekommen, wird das mit dem Arbeitslosengeld und dem Vorschuss verrechnet und die Krankenkasse will mittlerweile auch wissen, welche Gehälter und Zahlungen wir erhalten haben und welche nicht. Es ist einfach nur purer Stress für Laien wie uns.

Schritt 3: Welche Schulden müssen bedient werden?

Als Erstes werfen wir einmal einen Blick auf unsere Schulden: Welche Art von Schulden haben wir und in welcher Höhe? Wir haben einen Studienkredit in Höhe von 7.800 Dollar (es waren insgesamt gut 88.000 Dollar) übrig. Unser Gläubiger ist die US-Regierung, welche die Raten und Zinsen bis zum 30. September ausgesetzt hat. Wie es danach weiter geht, ist ungewiss. Es wird gemutmaßt anhand der stetig steigenden Neuinfektionen in den USA, dass ein weiteres Konjunkturprogramm folgen wird. Die Situation in Deutschland ist zumindest anhand der neuen Infektionszahlen gemessen, um einiges entspannter.

Wenn ihr keinen Überblick habt, wen ihr überhaupt etwas und wie viel schuldet, sucht eure Unterlagen und Kontoauszüge heraus und schreibt ungeachtet des Zinssatzes eure Schulden vom kleinsten Kredit bis zum größten Kredit auf. Listet wirklich alle Schulden auf! Autokredit, Kreditkarte, Schulden bei Familie und Freunden, etc.

Schritt 4: Rechtzeitig Maßnahmen ergreifen

Habt ihr euren Job verloren oder sind eure Einnahmen am Einbrechen, redet bitte rechtzeitig mit euren Gläubigern. Steckt nicht euren Kopf in den Sand, sondern sucht nach Lösungen: Das Aussetzen von Kreditraten oder Senkung der Zinsen wären Möglichkeiten um Gebühren, Verzugszinsen und Mahnungen zu vermeiden. Bekannte von uns haben direkt mit ihrem Vermieter gesprochen, als klar wurde die Einnahmen aus ihrer Selbstständigkeit brechen weg. Gerade bei Banken und Firmen kann, das eventuell nicht gleich der erste Mitarbeiter mit dem ihr sprecht, entscheiden, daher handelt unverzüglich, wenn sich eure finanzielle Situation verschlechtert.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, solange euer Job wirklich sicher ist und ihr Rücklagen von mindestens drei Monaten habt, tilgt weiter. Ansonsten ergreift die Ausgabenbremse und legt jeden möglichen Cent zur Seite bis der Sturm vorbei ist. Schaut in euer Budget, welche Ausgaben wirklich nötig sind und ob es eventuell noch Möglichkeiten gibt, euer Sparschwein mit Nebentätigkeiten aufzufüllen. Auch Corona wird vorbeigehen. Hoffentlich mit prall gefüllten Sparbüchern und vielen weiteren Gehaltseingängen. Aber im schlimmsten Fall werden wir dank der Rücklagen ein Dach über den Kopf haben und Essen auf dem Tisch. Am Ende zählt nur eines: Unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Familien. Wir werden auch diese unsichere Zeit überstehen und wie immer daran wachsen.

Hat sich eure Jobsituation durch Corona verändert?

Bild: Canva

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