Kurzarbeit: Mein Plan

Heute ist Donnerstag und ich war diese Woche zu Hause um, wie mit meinem Arbeitgeber abgesprochen, meine Überstunden abzubauen. Überstundenabbau heißt normalerweise Urlaub. Aber es ist kein Urlaub. Nicht annähernd. Das Handy piept alle paar Minuten mit Neuigkeiten aus dem Büro. Die Kinder sind nun in der dritten Woche zu Hause und mein Mann arbeitet in der vierten Woche im Home-Office. Ich bin angespannt und gestresst.

Bereits vor mehreren Wochen mussten wir Listen mit unseren Aufgaben erstellen. Ich arbeite momentan in Teilzeit in Elternzeit, da unsere Kleine gerade über ein Jahr alt ist. Kurzarbeit war und ist in aller Munde in den letzten Wochen. Den Nachrichten rund um Corona kann man sich nicht entziehen. Ich habe es zumindest versucht. Man muss schon blind sein, um nicht zu sehen wie es um unsere Wirtschaft in Deutschland und weltweit steht. Auch mein und der Arbeitgeber meines Mannes ist schwersten von der Krise getroffen.

Kurzarbeit ist nun Realität

Um sieben Uhr heute Morgen kamen dann die ersten Nachrichten aus dem Büro, gefolgt von der E-Mail mit der Einigung zwischen Unternehmen und dem Betriebsrat mit dem Hinweis, ich bekomme noch am selben Tag einen Anruf um zu erfahren, inwieweit ich betroffen bin.

Ich muss sagen, ich war geschockt. Ich habe erwartet, dass die Kurzarbeit bis August/September andauern wird. Mein Betrieb hat sie jedoch bis März 2021 beantragt. Dann zumindest die Hoffnung: Keine betriebsbedingten Kündigungen in dieser Zeit, Urlaubsanspruch bleibt bestehen und Feiertage werden voll vergütet. Auch unsere Altersvorsorge sei nicht betroffen und wir werden auf 90 % aufgestockt. Ich war ein wenig erleichtert. Wir müssen in Bereitschaft bleiben, einzuspringen wenn nötig. Wir bekommen mindestens 72 Stunden davor Bescheid, wenn wir wieder ins Büro gehen dürfen. Die WhatsApp flogen hin und her mit meinen Kollegen aus dem Home-Office/
Krankenstand/Urlaub.

Dann kam der Anruf um kurz vor 17 Uhr. 100 % Kurzarbeit. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Damit habe ich absolut nicht gerechnet. Die Listen müssen noch abgezeichnet werden und dann wurde es eine Woche später offiziell rückwirkend zum 1. April. Meine Kollegen warteten noch auf ihre Anrufe. Nach dem Telefonat kamen mir die Tränen. Heißt das nun ich bin im schlimmstenfalls ein Jahr zu Hause? Mein Mann hat mich erst einmal umarmt. Sein letzter Arbeitgeber hat im Januar überraschend Insolvenz angemeldet und er weiß wie es ist, wenn von heute auf morgen dein Arbeitsumfeld wegfällt. Was wird das für eine Umstellung sein, morgens nicht ins Büro zu gehen? Ich weiß, mit allem, was da draußen los ist, sind das First World Problems, besonders da wir ja Kurzarbeitergeld bekommen. Ich weiß, andere hat es weitaus schlimmer erwischt. Aber ich muss sagen, mir hat es gutgetan zu arbeiten. Ende April wäre der Entbindungstermin von unserem Sohn gewesen. Ich hätte die Ablenkung wirklich benötigt. Also umdisponieren und neue Ziele festlegen.

Eine Tür schließt sich eine andere Tür öffnet sich

Meine Kollegin sagte mir, ich solle es, als Möglichkeit nehmen meine persönlichen Ziele zu verfolgen. Ich weiß einige Kollegen wären glücklich und wir haben alle unsere privaten Projekte. Aber das bedeutet für die nächsten Monate eine komplette Umstellung meines und unseres Tagesablaufs. Mal wieder.

Der Tagesablauf

Ich hoffe, wir können ab dem 20. April wieder ein Stück Normalität zurückbekommen wenn die Kindergärten (hoffentlich) wieder öffnen. Wenn ich jetzt die nächsten Wochen oder auch Monate zu Hause bin, nehmen wir es als Gelegenheit neue Rituale zu schaffen, wenn auch nur vorübergehend: Gemeinsam frühstücken zum Beispiel ist aufgrund unserer Arbeitszeiten unter der Woche sonst nicht möglich. Ich könnte die Kinder zur Kita bringen und abholen, das heißt mein Mann kann früher anfangen zu arbeiten. Normalerweise bringt er die Kinder das letzte Stück und ich hole sie nach der Arbeit ab.

Ich hoffe, wir bekommen unseren Alltag mit den Hobbys der Großen demnächst wieder zurück. Die Zeit zu Hause möchte ich für ein paar Kurse nutzen, die ich mir letztes Jahr auf Udemy schon gekauft habe. Vielleicht mache ich mich auch endlich an die Fotobücher von 2016 bis heute zusammenzustellen. Seit ich wieder angefangen habe zu arbeiten, war ich nicht mehr schwimmen (bis auf das eine Mal, da unser Warmwasser nicht funktionierte und wir duschen wollten). Das möchte ich, wenn möglich für meine Gesundheit wieder aufnehmen. Und natürlich werde ich euch weiter updaten. Unser erstes Ziel, die Schuldenfreiheit, haben wir nach wie vor im Fokus. Es ist einfach mal wieder ein weiterer Stolperstein auf unserem Weg.

Es wird ein Drahtseilakt für uns, wieder eine Normalität zu finden. Auf der einen Seite möchten wir einfach nur raus und wieder bekannte Gesichter und unsere Freunde sehen. Auf der anderen Seite ist mein Mann Risikopatient und mein Vater pflegebedürftig. Wir müssen aufpassen, dass wir den Virus nicht einschleppen.

Das Finanzielle

Wenn ich die Betriebsvereinbarung richtig interpretiert habe, müsste ich Gehaltseinbußen von knapp 200 Euro haben (67 % Kurzarbeitergeld des Nettolohns plus die Aufstockung). Wie viel ich dann wirklich bekomme, wird sich mit dem Gehaltszettel für April, den wir Ende des Monats erhalten, erst bestätigen. Wenn das so ist, wäre ich erleichtert. Momentan tanke ich für gut 100 Euro im Monat und der Großteil entfällt auf den Arbeitsweg. Das heißt, ich hätte quasi nur noch Einbußen von gut 100 Euro im Monat.

So habe ich das zumindest gedacht, bis eine Kollegin mich darauf hingewiesen hat, dass die Aufstockung steuerpflichtig ist. Also werde ich wohl noch einmal 100 oder 200 Euro pro Monat zur Seite legen für die Steuererklärung 2020, nur um sicherzugehen. Wir müssen in diesem Jahr ja schon 900 Euro nachzahlen. Das Geld liegt momentan auf dem Sparkonto. Ich zögere die Steuererklärung jedoch bis zum geht nicht mehr, also bis Juli hinaus.

Weiterhin werde ich an meinen Ideen für das Innovationsmanagement feilen und hoffe so noch ein bisschen was an Gutscheinen bzw. Geld hereinzubringen. Außerdem läuft das Projekt unserer Krankenkasse noch. Auch hier habe ich schon ein paar Gutscheine erarbeitet. Unsere Secondhand Stühle sind kaputt. Einer ist gesplittert und ist nun auf dem Wertstoffhof (Gott sei Dank hat sich derjenige nicht verletzt), die anderen wackeln trotz mehrmaligem leimen und einigen Schrauben. Ich hoffe mit Gutscheinen von Ikea, drei neue Stühle kaufen zu können, ohne unser Konto zu berühren. Momentan stehe ich bei 15 Euro/180 Euro, die für die drei Stühle benötigt werden. Challenge accepted! Wie es momentan steht, könnt ihr unseren Instagram-Stories sehen.

Wie bereits geschrieben, die Schuldentilgung ist immer noch unser Ziel. Jedoch müssen wir nun Covid-19 überstehen. Wir schreiben unser Haushaltsbudget, doch statt die Schulden zu tilgen, legen wir das Geld, wenn möglich, zur Seite. Wie viel wir letztendlich verdienen, sehen wir erst auf unserem Gehaltszettel. Momentan, sehe ich es schon als einen kleinen Sieg, wenn wir bei Null herauskommen.

Dinge, für die ich dankbar bin

Ich bin dankbar für unsere Gesundheit. Ich hatte Kontakt mit einer positiven Person und ich war heilfroh, dass ich nicht infiziert wurde. Mein Mann ist Risikopatient und ich möchte es einfach nicht bekommen. Es ist nicht so, dass man es einmal durchmacht und es ist vorbei. Einige Menschen tragen dauerhafte Lungenschäden davon. Ich hoffe, dass es in der nahen Zukunft einen wirksamen Impfstoff gibt der uns davor bewahrt.

Unser Haushaltsbudget! Mir werden Zahlen in den Betriebsvereinbarungen genannt und ich weiß sofort, ob es machbar ist. Ich weiß, dass wir weiterhin die vier Wände zahlen können und alle anfallenden Rechnungen. Ich kann den Gürtel noch ein bisschen enger schnallen. Wie mein Geschichtslehrer Herr Winkler immer gesagt hat: Wissen ist Macht!

Außerdem bin ich dankbar für das Haus in dem wir leben. Unser Plan war eigentlich bis Juli schuldenfrei zu sein und dann umzuziehen, wenn unsere Große mit dem Kindergarten fertig ist. Mit dem verminderten Gehalt wäre die Suche wahrscheinlich nicht gut verlaufen, wenn wir ehrlich sind. Ihr wisst ja noch wie eng es auf den 60 Quadratmetern war. Mein Mann hat im Wohnzimmer damals Home-Office gemacht und die Waschmaschine hat neben dem Esstisch, an dem er sass, gepiept. Auf 60 Quadratmetern gab es keinen Rückzugsort. Jetzt haben wir unser Home Office (ihr könnt den Fortschritt auch auf Instagram in den Stories sehen) im Keller. Die Kinder haben einen kleinen, aber eingezäunten Garten und ihre Zimmer. Wenn wir schon Wochen im Haus verbringen müssen, bin ich glücklich es hier zu tun. In der Wohnung hätte es schon den ein oder anderen Mordfall gegeben.

Nachdem alles ein wenig eingesickert ist

Sehe ich jetzt noch ein paar positive Aspekte: Sollte die Kurzarbeit wirklich in den Herbst hinein gehen, muss ich mir keine Sorgen machen, wie ich die Sommerferien abdecke, da wir jetzt teilweise schon unseren Urlaub nehmen müssen. Unsere große Tochter kommt im September in die Schule und ich in die erste Zeit zu Hause und wir können zusammen Hausaufgaben machen. Ich glaube, das würde ihr den Schulstart unglaublich erleichtern. Ich werde sie in Ruhe abholen können und ich werde nicht gehetzt von der Arbeit kommen, weil ich die Kernzeit einhalten muss.

Kurzarbeit bei meinem Mann

Als ich vor einer Woche diese Zeilen geschrieben habe, hatte ich noch die Hoffnung, die Kurzarbeit geht an meinem Mann vorüber. Aber auch er hat einen Brief erhalten und wurde über anstehende Kurzarbeit im Unternehmen unterrichtet. Bis auf die Aufstockung, war es fast der gleiche Text, wie ich ihn erhalten habe. In den nächsten Tagen wird er Bescheid bekommen, inwieweit er letztendlich betroffen ist. Momentan arbeitet er am Onlinestore, daher hoffe ich, dass der Kelch an uns vorübergeht.

Das erste, was wir getan haben, als wir den Brief gelesen haben: Gerechnet. Wie viel bleibt uns, wenn er nur 67 % seines Nettogehaltes bekommt (da wir Kinder haben). Und wie viel haben wir mit meinem Kurzarbeitergeld plus Aufstockung? Sollte mein Mann 100 % in Kurzarbeit gehen müssen, wird es machbar, aber verdammt eng!

Eigentlich benötigen wir demnächst neue Autoreifen (300 Euro bis 400 Euro). Klar, ich fahre nicht mehr auf die Arbeit, aber ich bin die Betreuerin meines Vaters und der wohnt 250 Kilometer weit weg. Dazu kommt das unsere Kühl- und Gefrierkombi zwischen dem Kühlteil und dem Gefrierteil (man merkt, ich bin ich eine Fachfrau!) auf einmal richtig warm wird. Das Ding ist fast und erst acht Jahre alt. Vielleicht mach ich mal ein Video und stell es in die Stories ein und wir können es zusammen reparieren. Das würde jetzt gerade noch fehlen, wenn die Kühl- und Gefrierkombi aufgibt.

Und dann fehlen auf einmal gefühlte tausend Kleinigkeiten. Ich hatte zum Beispiel die Sommerkleidung unserer Töchter einsortiert und war froh, dass wir alles hatten. Bis es warm wurde und ich merkte, dass die Sneakers unserer kleinen Tochter ihr nicht mehr passen. Wir hatten die letzten Tage 20 Grad und sie hatte nur gefütterte Stiefel. Ich habe die Kiste mit den Schuhen der Großen hervorgeholt. Jetzt haben wir die Wahl zwischen Gummistiefel oder die alten Hausschuhe (mit Gummisohle) für Spaziergänge draußen. Also habe ich notgedrungen, Schuhe online bestellt und hoffe, dass sie passen werden. Lieferzeit: 10 Tage! Wenn die Kita bis dahin wieder öffnet, wird es peinlich werden, wenn ich meine Tochter in Hausschuhe oder bei der Wärme in Gummistiefel abgebe. Was soll’s! Wir haben eine Ausnahmesituation, oder?!

Wie hat euch die Krise bisher berührt?

Bild: Canva

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