Die Einsicht für mehr Nachsicht

Heute wird es persönlich. Ich muss sagen, in der Vergangenheit hat es mich immer wieder aufgeregt, wenn irgendetwas mal wieder schiefgegangen ist. Und wie ihr wisst, ist einiges schiefgegangen. Wenn man nur bedenkt wie oft alleine unser altes Auto kaputtgegangen ist. Da bin ich wie ein kleiner Spatz. Ich laufe im Kreis und zwitscher meine Frustration. Als mein Mann mich vor langer, langer Zeit (*hust**hust* wir feiern im Sommer unseren 15. Hochzeitstag) kennengelernt hat, hat er mich Tweety genannt. Ja, genau dieser gelber Vogel aus Looney Tunes.

Ich bin ja ein großer Fan von Christy Wright und dieser Artikel von ihr “A gift that gives both ways” hat mich nachhaltig beeindruckt, dass ich ihn unbedingt mit euch teilen möchte. Immer wenn etwas außerhalb meiner Kontrolle schiefgeht, höre ich ihre Stimme sagen: Habe Nachsicht!

Im Zweifel ruhig bleiben

Ich weiß, einfacher gesagt als getan. Besonders im letzten Jahr, sind wir von einem Misthaufen in den nächsten gestiegen. Ich hatte es so satt. Ich kam nach Hause und schon der nächste Brief lag im Briefkasten. Jeder wollte etwas von mir. Wie ihr wisst, sind wir im Dezember umgezogen. Es war lange unser Wunsch. Wir haben zu viert (teilweise mit Hund zu fünft) auf 60 Quadratmeter gewohnt. Wenn man in die Küche wollte oder sich im Flur begegnet ist, war es quasi wie das Spiel Tetris. Unsere Töchter haben auch nicht übermäßig viele Spielsachen und trotzdem sind wir erstickt. Es war ja nicht einmal Platz für einen Kleiderschrank für die Kinderkleidung. Wenn ihr Bilder sehen möchtet, könnt ihr gerne einen Rundgang in unserer Wohnung unternehmen (leer schaut die Wohnung natürlich um einiges größer aus).

Zurück zum Thema. Der Umzug war ein Herzenswunsch, aber nicht geplant. Nach dem Brand und der Fehlgeburt unseres Sohnes benötigten wir einfach einen Neustart. Also haben wir die Gelegenheit genutzt. Um ehrlich zu sein, haben wir ja gar nicht damit gerechnet, dass wir die Zusage für unser neues Zuhause bekommen. Wer den Münchner Mietmarkt kennt, weiß die Konkurrenz ist groß und viele Freunde und Bekannte suchen seit Jahren. Da wir uns am Ende von Schritt 2 befinden, war es finanziell eine große Herausforderung. Wir wollten auf keinen Fall doppelt Miete zahlen. Also habe ich die Verwaltung gefragt, was muss ich tun, um das zu verhindern. Uns wurde gesagt, wir benötigten mehrere Vorschläge für potenzielle Nachmieter. Dezember war also verrückt. Wir haben gepackt, Leute haben unsere Wohnung besichtigt (über 60 Anfragen in 48 Stunden, mein Mann und die Kinder haben zu Abend gegessen während ich einer Familie das Wohnzimmer gezeigt habe), den Umzug geplant und renoviert. Die Adventszeit konnten wir also gar nicht genießen, aber wir sind im neuen Haus glücklich. Der Stress, dass alles innerhalb von drei Wochen zu organisieren und durchzuziehen war enorm! Das möchten wir nicht noch einmal so machen. Wir waren an der Grenze unserer Belastbarkeit. Gearbeitet haben wir ja auch noch.

Und dann wurde doch die Miete eingezogen

Und dann am 3. Januar, haben wir gemerkt uns wurden doch 1.000 Euro Miete abgezogen. Ich werde nicht lügen. Ich war auf 180! Wir waren stinksauer! Und die Verwaltung hatte natürlich Betriebsferien. Wer umzieht, weiß es kommen tausend Kleinigkeiten hinzu. Wie oft wir im Baumarkt und bei Ikea waren, habt ihr bestimmt auf Instagram verfolgt. Alleine die Renovierungsartikel für die alte Wohnung. Diese haben wir ja auch noch gestrichen (und den Aufwand massiv unterschätzt!). Wir haben also den Advent aufgegeben und unseren Urlaub über die Feiertage um alle pünktlich fertig zu bekommen und dann waren wir also trotzdem 1.000 Euro los. Die Worte, die ich gedacht habe, kann ich hier gar nicht wiederholen. Die Zusage, dass wir für Januar keine Miete mehr zahlen müssen, hatte ich nur mündlich. Schriftlich hatte ich sie, trotz Nachfrage, leider nicht bekommen (macht alles schriftlich! Glaubt mir!). Nach all dem Stress, mussten wir trotzdem 1.000 Euro zahlen?

Und dann habe ich Christys Worte gehört. Ich habe durch geatmet. Natürlich war ich immer noch sauer. Aber ich habe nicht sofort eine E-Mail geschickt. Ich habe es ein paar Stunden sacken lassen und bin immer wieder über den Text gegangen. Ich habe Nachsicht walten lassen. Statt los zu Poldern, habe ich sie gefragt: Was ist falsch gelaufen? Und wisst ihr was? Innerhalb einer Woche hatten wir die Miete wieder auf unserem Konto.

Der Umzugshelfer

Zurück zum Umzug. Am 19. Dezember sind wir umgezogen. Wir hatten über eine Firma drei Helfer gebucht für 9:30 Uhr bis 13:30 Uhr. Es war 9:30 Uhr und zwei Helfer waren da. Sie waren freundlich und fit. Sofort haben sie angepackt und den Sprinter beladen. Gegen 9:50 Uhr war der Sprinter fast voll, aber Helfer 3 war nicht erschienen. Oh ja, wir waren sauer! Wir hatten ein vier Stunden Fenster und mussten den Sprinter wieder zurückbringen. Immerhin haben wir drei Helfer gebucht, da wir ein großes Sofa, ein schweres Bett und schwere Haushaltsgeräte zu transportieren hatten. Ich musste also aufhören Kisten zu verladen und die Firma anrufen, ob sie Helfer Nummer 3 erreichen können. Das hat mich 15 Minuten gekostet. Um kurz nach 10 Uhr kam dann Helfer Nummer 3. Seine Entschuldigung: Er hat uns nicht gefunden. In Zeiten von Google Maps ist das keine Entschuldigung in meinen Augen. Er hatte ja sein Smartphone in der Hand und hätte uns anrufen können. Die zwei anderen Helfer waren ja auch pünktlich. Nummer 3 hat mehrmals gefragt, wie lange es noch dauert, obwohl wir alle Helfer für vier Stunden gebucht hatten.

Wir haben um 13:30 Uhr die letzte Kiste ausgeladen. Punktlandung! Wir waren erschöpft und haben gestunken. Aber die alte Wohnung war so gut wie leer und unsere Hab und Gut war im neuen Zuhause. Ich konnte uns schon Weihnachten im neuen Wohnzimmer unterm Weihnachtsbaum sehen. Es war also Zeit die Herren zu bezahlen. Und Nummer 3 war überrascht, dass ich seinen Lohn für die halbe Stunde nicht gekürzt habe und es dazu noch ein Trinkgeld gab.

Warum ich den Lohn nicht gekürzt habe

Falls ihr euch fragt, warum ich den Lohn nicht gekürzt habe, kommt hier die Antwort: Nachsicht! Ich habe keine Ahnung warum er wirklich zu spät war. Vielleicht war sein Kind krank? Vielleicht hat er verschlafen, weil er am Tag zuvor lange gearbeitet hat? Ich weiß es nicht. Noch dazu war es kurz vor Weihnachten. Und ohne ihn hätten wir es auch nicht pünktlich geschafft. Also habe ich Nachsicht geübt. Er hat gestrahlt.

Du kannst dich aufregen, oder du kannst drüber hinwegsehen.

Nachsicht – jeden Tag aufs Neue

Ich weiß es ist nicht immer einfach. Im letzten Jahr hat gefühlt nichts auf Anhieb geklappt. Und es geht in diesem Jahr weiter. Momentan schiebe ich einen Dreier mit Eon, Bayernwerk und Stadtwerke München. Ja, seit Wochen haben wir zwei Stromanbieter. In der alten Wohnung wurden wir von den Stadtwerken versorgt, und das wollten wir im neuen Haus auch wieder so haben. Jetzt haben wir zwei Anbieter und Rechnungen und Mahnungen! Glaubt mir, ich habe viele bösen Wörter gedacht. Falls ihr euch fragt, wie es dazu gekommen ist? Laut Stadtwerke kann Eon (der Grundversorger) nicht mit den Stadtwerken über das Bayernwerk kommunizieren aufgrund einer Softwareumstellung im November (sind nur wir betroffen? Falls es euch auch so geht, eröffnen wir eine Selbsthilfegruppe!). Jetzt haben wir alle paar Tage mit beiden Versorgern Telefongespräche und unser neues Hobby ist es Einschreiben zu schicken. Will ich am Telefon meinen Gefühlen freien Lauf lassen? Oh ja! Ich bin stinksauer! Meine wertvolle Zeit wird mir mit diesem Unsinn geraubt und ich kann nichts tun! Aber solange, die Dame von den Stadtwerken sich regelmäßig meldet und mich auf dem Laufenden hält, übe ich Nachsicht!

Bild: Canva

WERBUNG WG. AMAZON AFFILIATE LINKS, VERLINKUNGEN UND MARKENNENNUNGEN.

 *DIESER BEITRAG ENTHÄLT AFFILIATE LINKS FÜR AMAZON.DE. EUCH ENTSTEHEN KEINE ZUSÄTZLICHEN KOSTEN, UND IHR UNTERSTÜTZT GLEICHZEITIG UNSEREN BLOG. VIELEN HERZLICHEN DANK!

Gerne könnt ihr uns auch hier folgen: