Unser Termin beim Notar

Wie ihr auf Instagram mit bekommen habt, ist Mitte Februar mein Onkel überraschend mit 69 Jahren verstorben. Ich kann es immer noch nicht glauben, wie das Jahr angefangen hat. Der Arbeitgeber meines Mannes hat Insolvenz angemeldet und wir haben bereits im Januar kein Gehalt mehr erhalten. Wir haben unsere letzten Euros zusammen geklaubt für Sprit, um in die Heimat zu fahren und um eine Blumenschale für die Beerdigung zu besorgen.

Mein Onkel war ein herzensguter Mann und er hat mit mir viel unternommen als ich ein Kind war. Ein leichtes Leben hatte er nicht. Seine Verlobte ist mit Anfang 40 im Schlaf verstorben. Dazu kamen die ein oder anderen gesundheitlichen Probleme. Er ging dann in Frührente und lebte weiterhin im Dorf, in dem er aufwuchs. Er war sowohl im Sportverein als auch in der freiwilligen Feuerwehr ehrenamtlich engagiert. Sein Lebensstil war bescheiden.

Gut eine Woche nach der Beerdigung bekam ich einen Anruf von meinem Bruder. Er wollte mich vorwarnen, dass ich demnächst Post vom Amtsgericht erhalte. Mein Onkel hatte Schulden und die Geschwister erschienen bereits mit ihren Kindern und Kindeskindern auf dem Amtsgericht und haben das Erbe ausgeschlagen. Kosten: 30 Euro. An mich, auch wenn ich 250 Kilometer entfernt wohne, hat anscheinend niemand gedacht.

Der Brief

Wenige Tage später lag der Brief vom Amtsgericht also tatsächlich im Briefkasten. Ich konnte zu meinem Nachlassgericht vor Ort gehen, und dort ebenfalls für weitere 30 Euro das Erbe für mich und meine Kinder ausschlagen. Ja, wenn ich es ausschlage, geht das Erbe nämlich auf unsere minderjährigen Töchter über und natürlich gleich mit dem Hinweis auf die Frist von 6 Wochen. Die Schulden übersteigen 10.000 Euro. Wir arbeiten seit Jahren so hart daran schuldenfrei zu werden, da kann ich nicht noch 10.000 Euro Schulden zusätzlich brauchen. Mein Puls stieg und ich hatte Herzrasen. Sowas möchte man natürlich möglichst schnell aus der Welt schaffen, oder?

Das Nachlassgericht

Die lieben Beamten vom Nachlassgericht vergaben aufgrund der anhaltenden Infektionsgefahr keine Termine mehr. Es gab Termine nur noch im Eilverfahren mit dem Hinweis auf die Frist von sechs Wochen. Ich könnte mich ja noch mal am Ende der Frist melden. Mein Puls war auf 180! Wenn etwas schiefgehen kann, dann geht es auch in unserem Haushalt schief. Wir rappeln uns immer wieder auf, aber wir lassen auch keinen Stolperstein aus, wie ihr wisst. Alle möglichen Szenarien flogen durch meinen Kopf. Was wenn ich in vier Wochen unter Quarantäne muss und die Frist verpasse? Ich sah die Bilder vor meinen Augen, wie die Schuldeneintreiber mich pausenlos anrufen würden. Das Amtsgericht verwies mich und meinte ich könnte die Erbausschlagung bei einem Notar durchführen lassen. Ich müsste nur darauf achten, dass die Erklärung pünktlich beim zuständigen Amtsgericht ankommt.

Der Termin beim Notar

Einen Termin hatte ich nun erhalten, gut drei Wochen in der sechswöchigen Frist. Zuvor musste ich bereits einen Bogen mit unseren persönlichen Angaben ausfüllen und per E-Mail an das Notariat zurücksenden. Ich habe gleich das Schreiben des Nachlassgerichts mit angehängt. Und dann musste vor Ort das Dokument dreimal geändert werden. Ich sehe ein, Menschen machen Fehler. Besonders, momentan bin ich nachsichtig und nehme es niemanden übel, den wir haben alle unsere Sorgen. Während ich mit der Angestellten an dem Dokument gearbeitet habe, grantelte jedoch unsere Kleine. Wohlgemerkt sie hat gebrummt wie ein Bär, kein Weinen und kein Schreien. Die Notarin kam und flüsterte ihrer Angestellten zu, dass es so nicht geht und wir gehen müssen, wenn wir das Kind nicht unter Kontrolle bekommen. Autsch!

Im besten Fall hätten wir ja nur unterschreiben müssen und der Notar hätte es beurkunden müssen. In der ersten Fassung war jedoch ein Zahlendreher in der Postleitzahl meines Onkels, in der zweiten Fassung war seine Adresse falsch geschrieben und in der dritten Fassung hatte sie versehentlich bei mir Reisepass statt Personalausweis angeben und bei meinem Mann als Herkunftsort Vereinigte Staaten statt Vereinigte Staaten von Amerika. Es sind über 10.000 Euro Schulden und wir wissen alle welchen Ruf Beamte haben, daher habe ich mich besser gefühlt, als sie noch “von Amerika” eingefügt hat und mein Ausweisdokument umgeändert hat.

Nachdem alles beurkundet war und wir 35,70 Euro bezahlt haben, durften wir nach gut 45 Minuten gehen. Und glaubt mir, das Dokument ging noch mit einem Anschreiben am selben Tag als Einschreiben mit Rückschein raus. Im Anschreiben bat ich noch um eine kurze Bestätigung, dass es erledigt ist. Wahrscheinlich werde ich jedoch Mitte der Woche noch einmal im zuständigen Amtsgericht anrufen. Die “Schulden” lasten noch auf mir und ich sing ein Halleluja, wenn das geklärt ist. Wahrscheinlich öffne ich eine Flasche Wein, wenn dieser Stress an mir vorübergezogen ist.

Das Erbe

Ich muss sagen, ich habe viel über die Schulden meines Onkels nachgedacht. Mein Onkel war nie verheiratet und hatte leider keine Kinder (er wäre ein toller Papa gewesen). Geld habe ich nie erwartet von ihm und schon gar kein Erbe. Falls sich jemand von euch mit Erbrecht auskennt, hier meine Frage: Hätte man die ganze Erbausschlagerei vermeiden können, hätte er uns alle in einem Testament einfach enterbt?

Der Nachlass

Der Nachlass meines Onkels hat mich zum Nachdenken gebracht. Was möchte ich meinen Enkeln, Nichten und Neffen hinterlassen? Ich will auch eines Tages die coole Tante oder Oma sein, die viele schöne Orte mit den Kleinen besucht. Vielleicht hinterlasse ich eine Schatzkiste mit Fotos von unseren Erlebnissen und Erinnerungsstücken? Für die Mädchen meine (bisher nicht sehr kostbaren) Schmuckstücke? Vielleicht kann ich noch ein letztes Erlebnis organisieren, falls mein Ableben abschätzbar wäre? Zur Trauer, der Krise, kommt jetzt nun auch noch der Stress. Ich kann es nicht abwarten, wenn wir schuldenfrei sind, bei einem Anwalt meinen Nachlass zu regeln. Ein handschriftliches Berliner Testament steht bereits, aber sicher ist sicher, immerhin haben wir Kinder. Außerdem soll das Testament endlich beim Amtsgericht hinterlegt werden. Ich möchte meine Kinder in der Trauer nicht auch noch zusätzlich belasten.

Was möchtet ihr hinterlassen?

Bild: Canva

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