Richtungswechsel

2019 war das schlimmste Jahr in meinem Leben. Vom Tod unseres Hundes, zu der fortschreitenden Demenz meines Vaters, der Brand in unserem Apartmentkomplex bis zur Fehlgeburt unseres Sohnes im Oktober. Seit dem Brand habe ich mich nicht mehr sicher und nicht mehr wohl in unserer Wohnung gefühlt. Ich weiß nicht, ob es dann auch noch die Fehlgeburt war, aber ich kann es nicht mehr ertragen hier in der Wohnung zu sein. Es ist zu eng und ab und zu flackert das Licht im Bad wieder auf wie am Tag des Brandes. Wir haben daher eine Entscheidung getroffen.

Richtungswechsel

Wir warten nicht bis wir schuldenfrei sind mit dem Umzug, sondern wir suchen jetzt schon nach einem größeren Zuhause. Viele Gespräche am Essenstisch und mit Freunden haben uns zu diesem Entschluss gebracht. Ich habe das Gefühl es geht nun aufwärts und haben noch am Wochenende Nägel mit Köpfen gemacht. Wir haben unsere Gehaltsnachweise der letzten drei Monate zusammen gestellt, eine Selbstauskunft ausgefüllt, einen Brief über unsere Familie geschrieben und die Schufauskünfte (oh mein Gott, sind die teuer!) eingeholt. Also haben wir ein kleines Paket zusammen gestellt und haben uns sogleich auf die erste Immobilie beworben.

Renne ich nur weg?

Auf der einen Seite freue ich mich auf die Veränderung. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob ich einfach nur wegrennen möchte, nach all den schlechten Vorkommnissen. Ich weiß, wir benötigen dringend mehr Platz und ich habe auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass wir noch nicht ganz schuldenfrei sind. Vielleicht werde ich das an Weihnachten mit meiner Cousine einmal hinterfragen. Sie studiert Psychologin und verlangt nichts (ich Sparfuchs). Die Schuldenfreiheit hat nach wie vor eine hohe Priorität. Meine und unsere Gesundheit jedoch eine höhere. Was für einen Preis zahlen wir, wenn wir uns nicht mehr in unserem Zuhause wohlfühlen? Wenn man keinen Ort mehr hat, an dem man sich zurückziehen kann? 2019 hat mich wirklich dazu gebracht einiges zu hinterfragen. Und als mich im Sommer diese Unruhe gepackt hat, hatte ich noch keine Ahnung was auf uns zukommt. Ich glaube, die Wohnsituation wird nur der Anfang sein. Die Unruhe ist nach wie vor da.

Wo soll es hingehen

Wohin soll der Richtungswechsel uns verschlagen? Wir wohnen im Großraum München. Genauer im Norden von München. Uns gefallen auch andere Landkreise wie zum Beispiel Erding. Als wir in den Immobilienportalen geschaut haben, gab es preislich keinen wirklichen Unterschied mehr. Wir dachten, wir könnten ein paar hundert Euro sparen, wenn wir weiter hinausziehen, aber das ist nicht mehr der Fall hier. Was uns wichtig ist, ist der unmittelbare S-Bahnanschluss, damit wir kein zweites Auto benötigen um auf die Arbeit zu gelangen. Da sich in den Preisen nichts mehr gab, dachten wir schauen wir doch, ob wir etwas in unserer Gemeinde finden. Warum sein Netzwerk an Freunden, Bekannten, Kindergarten, Ärzte und Kirche aufgeben, wenn wir nichts sparen? In den kommenden Tagen haben wir also unsere erste Besichtigung.

Was wir suchen

Wir sind momentan zu viert. Ob wir doch noch eines Tages eine fünfköpfige Familie hier auf Erden werden, steht in den Sternen. Unsere Töchter sollen auf jeden Fall eigene Zimmer bekommen. Die Große benötigt Platz für einen Schreibtisch und Ruhe zum Hausaufgaben machen. Die beiden lieben sich abgöttisch, aber es liegt vier Jahre Altersunterschied zwischen ihnen. Und wenn die Große aufräumt, zieht die Kleine wieder alles heraus. Ich habe einen jüngeren Bruder. Ich weiß also aus erster Hand wie nervig Geschwister sein können.

Mein Mann benötigt ein Homeoffice für die Arbeit und ich will endlich nicht mehr die Ordner (Steuer, Verträge, etc. ihr kennt das ja) nicht mehr im Wohnzimmer bzw. im Keller haben. Ein Büro wäre der ideale Ort endlich mehr Ordnung in unsere Lebenssituation zu bringen. Momentan arbeitet mein Mann an unseren kleinen runden Esstisch. Überall liegen Kabel und unsere Tochter verheddert sich bzw. ist magisch von dem Chaos angezogen. Er ist genervt, ich bin genervt, wir sind alle genervt. Und der ganze Tisch muss zum Essen natürlich abgeräumt werden. Das heißt, es liegt alles auf dem Boden. Laptop, Bildschirme und zehn Kabel. Es schaut einfach aus wie Kraut und Rüben.

Also eigentlich vier bis fünf Zimmer und mindestens 100 Quadratmeter benötigen wir. Plus Garten bitte, denn wir haben eine Schaukel und Gartenmöbel. Wir lieben es einfach im Sommer im Garten zu sein. Meine Kräuterecke muss mit umziehen. Nach einigen Recherchen sind wir nun auf der Suche nach einem Reihenhaus. Wohnungen in der Größe gibt es kaum, wenn dann zum gleichen Preis wie ein Haus. Warum also dann nicht gleich ein Haus?

Das Finanzielle

Für unser Budget wird das ganze ein Schock. Wir zahlen momentan (Achtung, nicht umfallen!) für unsere 60 Quadratmeter große Wohnung 1.000 Euro im Monat. Die Wohnung über uns, ebenfalls mit gleicher Größe, wurde Anfang des Jahres für 1.300 Euro neu vermietet. Wir wissen also, dass wir zu diesen Preis nicht noch einmal etwas bekommen. Unser Budget für die Kaltmiete liegt nun bei rund 1.500 bis 1.600 Euro. Und das fällt mir wirklich schwer überhaupt zu schreiben. Für uns ist das verdammt viel Geld. Ich fühle mich ja schon reich, wenn ich das Auto auftanke. Aber vier Leute auf 60 Quadratmeter ist der absolute Wahnsinn. Wenn wir also nicht beide Jobs aufgeben, unsere Kinder aus ihren und uns aus unserem Umfeld herausnehmen wollen, dann müssen wir das erst einmal so schlucken.

Die Schulden

Keine Sorge, bleibt bei uns! Die Schuldentilgung geht weiter. Bei einer höheren Miete müssen wir natürlich Abstriche machen. Der Umzug rückt quasi in den Masterplan ein. Der Umzug war ja sowieso unser nächstes Ziel. Aber wie beim Auto muss man einsehen, wann Schluss ist und die derzeitige Situation kann einfach nicht so weiter laufen kann. Es wird also wohl ein paar Monate länger dauern bis wir 100 Prozent schuldenfrei sind.

Der langfristige Plan

Keine Ahnung! Wir wissen immer noch nicht wo es langfristig lang geht. Wollen wir hier bleiben? Wollen wir uns wo anders nieder lassen? Der nächste Richtungswechsel steht noch in den Sternen. Eines unserer großen Ziele nach der Schuldenfreiheit ist der Hauskauf. Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren in unserem eigenen Haus (wo auch immer) wohnen werden. Daher hoffen wir, dass die nächste Immobilie unsere letzte gemietete ist. Besonders mit Blick auf die Rente, möchten wir unser Haus bis dahin abgezahlt haben. Aber bei den derzeitigen Preisen können wir nicht mithalten. In unserer Gemeinde liegen Einfamilienhäuser jenseits der Millionengrenze. Reihenhäuser knapp darunter. Freunde von uns haben gerade ein Haus gekauft. Wir sind ziemlich offen mit unseren Finanzen und sie sagte zu mir: Das ist alles Fake. Keiner kann sich die Preise hier wirklich mehr leisten. Was man in der Laufzeit nicht tilgt, wird über einen Anschlusskredit wieder finanziert über den sich keiner heute Gedanken macht. Ich war geschockt.

Wie geht es jetzt weiter

Die erste Besichtigung steht an. Vielleicht kann ich euch ein paar Fotos auf Instagram zeigen. Wir haben unsere Wohnung noch nicht gekündigt. Daher stehen wir unter keinen Zeitdruck. Ich denke auch, im derzeitigen Mietmarkt wird es hoffentlich kein Problem sein einen Nachmieter zu finden, da wir momentan eine Kündigungsfrist von drei Monaten haben. All das macht mir dann doch schon Sorgen. Aber ich weiß, wenn der Umzug hinter uns liegt und wir endlich Platz haben normal zu leben, werde ich froh sein, dass wir den Schritt gewagt haben. Für uns ist es auch der erste Umzug mit Kindern.

Habt ihr Tipps für den Umzug?

Bild: Canva

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