Schritt 3: WIr erhöhen unsere Rücklagen

Nach über fünf Jahren sind wir nun endlich mit der Schuldentilgung fertig und in Schritt 3 angelangt! ENDLICH! High fives! Wir können es immer noch nicht glauben. Ich logge mich noch jeden Tag ein, um die schwarze Null zu sehen! Und mein Herz hüpft jedes Mal vor Freude. Nach dem Plan (den könnt ihr hier nachlesen und euch auch ausdrucken) von Dave Ramsey stocken wir jetzt unsere Rücklagen von 1.000 Euro aus Schritt 1 auf die Ausgaben von 3 bis 6 Monaten auf. Wir haben uns entschieden unsere Rücklagen auf die Ausgaben von 6 Monaten aufzustocken und erklären euch heute warum.

Endlich in Schritt 3

Es hat sooo lange gedauert. Danke, dass ihr mit uns durch gehalten habt. Es ging so viel schief in den letzten fünf Jahren: Gefühlt tausende DIY-Autoreparturen, dann ein “neues” gebrauchtes Auto, kaputte Haushaltsgeräte, einen Brand, Umzug, Insolvenz des Arbeitgebers, Kurzarbeit und die Fehlgeburt unseres Sohnes. Für einen kleinen Moment haben wir das Gefühl, kurz durchatmen zu können. Es war einfach eine anstrengende Zeit. Aber was wäre die andere Option gewesen? Die Studienkredite plus bis zu 6,8 % Zinsen die nächsten 20 oder 25 Jahre abzuzahlen? Nein, danke. Wir möchten frei sein. Unsere Entscheidungen darauf basierend treffen, was für unsere Familie am besten ist, und nicht weil wir Raten tilgen müssen.

Es war eine harte Zeit mit vielen Entbehrungen. Wir haben trotzdem fleißig unser monatliches Budget geschrieben und ja, es ging immer etwas schief. Ich glaube nicht, dass wir einen einzigen Monat wie geplant überlebt haben. Und trotzdem hat uns das Budget geholfen einen Plan zu machen. Ohne unsere monatlichen Budgets hätten wir nie 88.937 Euro getilgt. Wie Zig Ziglar einmal gesagt hat: “If you aim at nothing, you’ll hit everytime.”

Was bedeutet Schritt 3 genau?

Die 1.000 Rücklagen in Schritt reichen natürlich nicht bei größeren Katastrophen. Die meisten Leute die durch Daves Programm gehen tilgen ihre Schulden in weniger als 24 Monaten. Wir hatten einen riesigen Schuldenberg und viele Stolpersteine. Ja, wir sind gesund und haben ein Dach über den Kopf, aber in den letzten Jahren haben wir so jede mögliche Katastrophe gefühlt angezogen (wahrscheinlich geht auch Corona auf unsere Kappe). Das Leben hat uns einige Lehrstunden erteilt. Daher haben wir uns entschieden unsere Rücklagen auf 6 Monate anzusparen und nicht nur drei.

Harte Lehrstunden des Lebens

Im Januar hat der Arbeitgeber meines Mannes der Belegschaft mitgeteilt, dass sie insolvent sind. Es wurde ihnen gesagt, der Staat springt mit Insolvenzgeld ein und sie sollten weiterarbeiten. Das war einfach nur eine Lüge. Die Insolvenz wurde erst im Juni vom Amtsgericht angenommen und das Insolvenzgeld wird rückwirkend für drei Monate gezahlt. Das heißt wir mussten Arbeitslosengeld beantragen, obwohl mein Mann noch gearbeitet und nicht arbeitslos war (und das hat das Onlinesystem der Agentur für Arbeit maßlos überfordert!). Wenn er schneller Geld möchte, hätte er Hartz VI beantragen müssen: Das heißt alles offenbaren, obwohl er angestellt war und bisher keinen Tag arbeitslos war. Es war eine Farce. Wir waren frustriert und sauer.

Rückblickend, können wir froh sein, dass es im Januar passiert ist und er zum 1. März eine neue Stelle hatte. Den dann kam Corona und viele seiner damaligen Kollegen sind noch heute auf der Suche. Aber uns entgingen zwei volle Monatsgehälter und um noch eins oben draufzusetzen: Wir müssen auch noch die Krankenkassenbeiträge bezahlen, und zwar AG- und AN-Anteil, da dieser nicht mehr von seinem Arbeitgeber abgeführt wurde. Natürlich haben wir das alles beim Insolvenzverwalter angegeben. Aber was werden wir bekommen von einer Firma, die insolvent ist? Und vor allem wann?

Unser Fazit daraus haben wir gefasst: Würde es noch einmal passieren, möchten wir genügend Rücklagen haben, um nicht auf das Arbeitslosengeld angewiesen zu sein. Klar, würden wir es beantragen (steht uns ja auch zu). Aber dieser Stress, Leute anzubetteln ihren Job zu machen, wollen wir nicht noch einmal durchmachen.

Warum legt ihr die Höhe der Ausgaben und nicht Monatsgehälter zurück?

Die Rücklagen sind unser Notgroschen. Also sie sollen wirklich nur im Notfall angelangt werden. Die Rücklagen sind unsere Versicherungen für Notlagen. Sie sind nicht dazu gedacht, Wünsche zu erfüllen, oder in den Urlaub zu fahren (dafür werden wir ein separates Konto anlegen). Sondern, sie sind dazu gedacht unseren Haushalt am laufenden zu halten.

Unter Ausgaben verstehen wir alle notwendigen Ausgaben, die wir jeden Monat im Budget abdecken:

  • Die vier Wände (Miete, Strom, Essen und Mobilität)
  • Laufende Verträge (z. B. auf unser Rücklagenkonto für unsere Versicherungen, aber auch die Hobbys unserer Kinder)
  • Kleidung (wir haben Kinder die stetig wachsen und auch ab und zu Schuhe benötigen)
  • Kitagebühren, etc.
  • Steuer und Gebühren (z. B. GEZ)

Diese Rücklagen werden auf einem separaten Konto angespart und müssen für den Notfall greifbar sein. Sie werden nicht investiert! Deswegen werden wir auch nicht mehr als nötig zurücklegen, den auf einem Sparkonto bekommen wir kaum Zinsen. Das Geld dient einzig und allein unserem Seelenfrieden und glaubt uns, der ist unbezahlbar.

Wie hoch sollten deine Rücklagen sein?

Das hängt vom Einzelfall ab. Bist du z. B. verbeamtet, dann reichen drei Monate vollkommen aus, den du hast in der Regel keinen Jobverlust zu befürchten. Bist du jedoch selbstständig oder dein Job kann morgen wegbrechen wie wir jetzt in der Corona-Pandemie gesehen haben z. B. in der Gastronomie, dann würde ich Rücklagen für sechs Monate ansparen.

Aber ich kann doch im Notfall auf Kreditkarten zurückgreifen?

Kurze Antwort: NEIN! Aber ich erläutere gerne. Stellt euch euren Worst-Case-Scenario vor. Stellt euch vor, ihr verliert euren Job und die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession. Das erste, was die Banken machen werden, ist es euren Kreditrahmen zu schmälern. Vielen Kunden in den USA wurden in den letzten Monaten das Kreditlimit drastisch gekürzt oder das Konto ganz geschlossen. Selbst wenn das nicht passieren würde, benötigt ihr ausgerechnet jetzt einen weiteren Gläubiger, der euch im Nacken sitzt? Absolut nicht!

Was sollte ich sofort tun, wenn der worst case statt findet?

Wenn eure Einnahmen wegbrechen, dann heißt es kürzen, kürzen, kürzen: Essen ausschließlich zu Hause zubereiten, Abos kündigen (Fitnessstudio, Netflix, Prime, etc.). Je geringer eure monatlichen Ausgaben sind, desto länger könnt ihr überleben. Wir sind in Deutschland gut abgesichert, aber wir haben gelernt, unsere Ämter mahlen langsam.

Wenn der Notfall vorbei ist

Es muss nicht gleich der worst case sein. Ein Notfall kann auch eine teure oder überraschende Autoreparatur sein oder die Waschmaschine ist kaputt. Dann entnehmt das Geld und füllt eure Rücklage so schnell wie möglich wieder auf.

Wo steht eigentlich Deutschland?

Falls ihr jetzt wie wir so schnell wie möglich eure Rücklagen aufstocken möchtet und vielleicht denkt, jeder hat seine Finanzen besser im Griff als man selbst, so verzweifelt nicht. Das Handelsblatt hat im Januar einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht: 31 Prozent aller Deutschen verfügen über keine Rücklagen. Hoffentlich befinden wir uns bald bei den 69 Prozent die über (hoffentlich auch ausreichende) Rücklagen verfügen.

Der Rücklagen-Tracker

Ihr kennt ja bestimmt (den mittlerweile vergilbten) Schuldentracker. Wir haben in unserer Schatzkiste für euch auch nicht nur unsere kostenlose Schuldentracker, sondern auch Tracker für Schritt 1 (Rücklagen in Höhe von 1.000 Euro) und für Schritt 3. Ihr könnt ihn ausdrucken und euren Fortschritt eintragen. Unser Schuldentracker hängt noch immer am Kühlschrank. Jetzt kommt der Rücklagentracker hinzu.

Tracker Fortschritt Rücklagen
Unser Rücklagen – Tracker

Wie lange reichen eure Rücklagen?

Bild: Canva

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