Schulden, Kinder und Erziehung

Wir haben Schulden. Das ist ein Fakt. Wir haben auch zwei Töchter. Unsere große Tochter wird demnächst schon fünf Jahre alt. Die Kleine ist jetzt sechs Monate alt. Unsere große Tochter hat also unseren Weg aus den Schulden miterlebt. Am Anfang hat sie als Baby und dann Kleinkind natürlich noch nicht wahr genommen was es bedeutet Schulden zu haben. Inzwischen weiß sie jedoch wie hoch unsere Schulden sind und warum wir Schulden haben.

Die Schulden kommen mehrmals pro Woche zur Sprache. Sie weiß, dass es unser Ziel ist bis Ende September die Schulden abzuzahlen. Und sie ist absolut mit eingebunden, wenn wir unser Haushaltsbudget besprechen, Pläne für Ausflüge, Reparaturen, und sonstige Ausgaben planen.

Wir haben Schulden, aber wir sind nicht arm

Wir reden viel mit unserer Tochter über Finanzen. Es ist Teil unserer Erziehung. Sie weiß, dass wir leben wie wir leben um mehr Möglichkeiten in der Zukunft haben. In der Zukunft werden wir niemanden mehr etwas schulden. Das heißt mit dem Geld über unsere nötigen Ausgaben wie Miete, Essen, Versicherungen, etc. können wir tun was wir wollen. Wir sind niemanden mehr Rechenschaft schuldig. Wie wir leben ist unsere Wahl. Wir sind nicht arm, wir haben nur schulden. Sie weiß, das arme Menschen sich keine besseren Behandlungen z. B. beim Zahnarzt leisten können oder einen Schwimmbadbesuch (den wir jedoch im Budget einplanen). Auch tanzt sie Ballett. Unsere Tochter weiß was das im Monat kostet und das es ein Privileg ist und kein Recht. Sie hat nicht das Teuerste von jedem, aber ihr fehlt es an nichts. Ihr schönes Fahrrad und das Dreirad davor war alles second hand und wir haben es für weniger als die Hälfte des Neupreises gekauft. Sie weiß das diese Dinge nicht selbstverständlich sind und nicht alle Kinder z. B. Fahrräder haben. Unsere Erziehung ist so ausgelegt, dass sie weiß das sie alles hat was sie benötigt und das andere Kinder nicht dieses Glück haben.

Kinder aktive in der Schuldentilgung involvieren

Unsere Tochter weiß, dass Schulden so schnell wie möglich abgezahlt werden müssen. Jeden Monat wenn unsere endgültige Tilgung feststeht nehmen wir einen grünen Marker und markieren wieder eine Zeile auf unserer Schuldentafel als abgezahlt. So sieht sie jeden Monat den Fortschritt und wie viel noch fehlt.

Sie sucht mit uns nach Möglichkeiten Geld zu sparen. Im Supermarkt sucht und vergleicht sie mit uns und weiß wie Coupons funktionieren. Und sie weiß wenn etwas nicht im Budget eingeplant ist, dass wir es nicht kaufen.

Woher kommt unser Geld

Ein zentraler Punkt in unserer finanziellen Erziehung ist, dass Geld von Arbeit kommt. Unsere Große wünscht sich oft, dass Papa zuhause bleibt und nicht so viel arbeitet. Ich erinnere mich als sie drei Jahre alt war. Ich habe nach dem Wocheneinkauf gesagt, dass wir jetzt kein Geld mehr haben. Sie meinte, dann gehen wir einfach auf die Bank und holen neues Geld. Jetzt mit fast fünf Jahren weiß sie, dass wir jeden Monat Geld bekommen weil wir arbeiten.

Die Wichtigkeit des Sparens

Kennt ihr Janoschs Traumstunde? Es gibt eine Episode in welcher die Grille den ganzen Sommer lang fidelt, während die anderen Tiere Vorräte für das Winterquartier anlegen. Die Grille macht was sie möchte, während die anderen Tiere Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen. In unserer Erwachsenenwelt kann man es übersetzen, dass die Grille in den Tag hinein lebt, während der Rest für die Rente Geld zurück legt. Ich weiß nicht wie oft wir diese Episode mit ihr geschaut haben, aber sie hat verstanden wie wichtig sparen ist, damit wenn es mal nicht so gut läuft oder man alt ist Rücklagen hat. Sie füttert regelmäßig ihr Sparschwein und sie weiß wieviel Geld sie auf ihren Sparbuch hat. Ein Teil ihres Geldes sind in Mitgliedsanteilen unserer Bank angelegt. Wenn einmal im Jahr die Abrechnung kommt, zeigen wir ihr wieviel sie verdient hat – ganz ohne Arbeiten.

Jetzt fragt ihr euch bestimmt, wie füttert sie ihr Sparschwein? Unsere Tochter verdient Geld bzw. Futter für ihr Sparschwein mit Aufgaben rund um das Haus oder wenn sie sich besonders hervor getan hat. Sie schlägt auch manchmal Dinge vor die sie tun könnte um Geld zu verdienen. Unsere Große wollte unbedingt die Terrasse fegen und hat mit mir verhandelt wie viel ich dafür zahlen würde. Sie hat 100 Cent ausgehandelt (klingt natürlich besser als 1 Euro). Und als sie wirklich fertig war habe ich sie gleich bezahlt. Genauso bekommt sie Geld wenn sie mir einfach während der Woche zur Hand geht wenn ich mit der Kleinen die Hände voll habe. Ihr Zimmer muss sie natürlich ohne Entgelt aufräumen.

Langfristige Ziele mit Kindern planen

Die Schuldentilgung dauert nun schon länger an, als wir am Anfang geplant haben. Es ist schwer! So lange am Ball zu bleiben während Freunde Essen gehen, Autos fahren die weitaus jünger als 20 Jahre sind, in Urlaub fahren und Häuser bauen ist nicht nur für uns Erwachsene schwer, sondern auch für unsere Große. Sie sieht die Bilder von Stränden und möchte so gerne auch in den Urlaub. Und immer wenn es schwer wird reden wir davon wie nah wir endlich an der Schuldenfreiheit sind und somit dem lang, langersehnten Urlaub. Wir reden davon am Strand zu sitzen, Mocktails zu trinken, und eine warme Brise zu spüren. Und wir reden auch von unserem nächsten Ziel in eine größere Wohnung zu ziehen. Wir wohnen zu viert auf 60 Quadratmeter. Mit der Schuldenfreiheit wächst dann auch unser Budget für die Miete.

Involviert ihr eure Kinder in eure Finanzen?

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Bild: Fotolia

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