Wir ziehen um!

Ich kann es noch gar nicht glauben. Wir ziehen wirklich um! Der Umzug findet schon diesen Monat statt. Wie ihr wisst, war das Jahr furchtbar für uns. Im August hat es im Haus gebrannt und im Oktober haben wir im zweiten Trimester unseren Sohn verloren. Danach konnten wir uns nicht mehr in der Wohnung aufhalten. Alles war eng. Wir waren nur noch unterwegs, aber Hauptsache nicht zu Hause. Wir haben uns weder wohl noch sicher in der Wohnung gefühlt.

Vorgeschichte

Es war Mitte November und ich war bedrückt. Ich wollte eine Veränderung und ich habe im Internet auf den diversen Immobilienwebsiten nach Wohnungen und Häuser zur Miete gesucht. Wir haben in den letzten Jahren gesagt, wir ziehen aus unserem Ort weg in die Nachbarlandkreise, um Geld zu sparen. Wie einige vielleicht wissen wir wohnen im nördlichen Landkreis München. Die Wohnungsnot ist groß, Besichtigungen sind eigentlich Massenbesichtigungen und die Mietpreise sind jenseits von Gut und Böse. Die Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot. Wir haben das ja alles schon 2012 durchgemacht.

Was uns aufgefallen ist: Wir hätten nichts mehr gespart, wenn wir unsere Gemeinde verlassen hätten. In den angrenzenden Städten mit S-Bahnanschluss waren die Preise pro Quadratmeter identisch. Würden wir weiter hinausziehen, würden wir ein zweites Auto benötigen. Wir hätten insgesamt noch höhere Kosten, nachdem wir Anschaffungskosten, TÜV, Wartung, Versicherung, Steuer und Benzin aufaddiert haben, als wenn mein Mann weiterhin S-Bahn fährt. Und nach sieben Jahren hier, sind wir heimisch geworden. Unsere Töchter hätten ihre Freunde zurücklassen müssen, Kindergarten gewechselt, Flötenkurs und Ballett aufgeben müssen. Für was? Wir hätten nichts mehr gespart. Wir hätten unsere Kinder in einem neuen Kindergarten eingewöhnen müssen, neue Ärzte suchen usw. Wir haben hier mittlerweile unser Leben und unser ganzes Netzwerk. Also wollten wir doch in unserer Gemeinde schauen.

Und dann war da dieses Haus

Ich habe also online geschaut und dieses Haus gesehen: 120 Quadratmeter, kleiner Garten in unserer Gemeinde. Doppelt so viel Quadratmeter wie wir jetzt haben. Momentan wohnen wir zu viert auf 60 Quadratmeter. Aber auch die Miete ist doppelt so hoch. Wir wussten aber auch, dass das Haus vergleichsweise günstig ist mit den anderen Häusern im Angebot. Wir wollten nicht länger warten und haben den Makler angeschrieben.

Die nächsten Tage

Haben wir unsere letzten drei Gehaltsnachweise kopiert, unsere Schufa bestellt (29,90 Euro pro Person, bei der kostenlosen Version gibt es die Urkunde für den Vermieter leider nicht), Selbstauskunft aus dem Internet ausgefüllt und wir haben einen persönlichen Brief an den Vermieter geschrieben mit Familienfotos. In dem Brief haben wir erläutert, warum wir das Haus möchten und wer wir sind und was wir tun. Und wir wurden eingeladen!

Die Besichtigung

Die Besichtigung war am Donnerstag und ich war auf Fachexkursion mit meinen Kollegen. Es war kein Auskommen. Also ist mein Mann mit den Kindern alleine hin. Ich vertraue ihm voll und ganz. Wir hatten jedoch Bedenken, dass wir nicht Ernst genommen werden, da ich nicht dabei war. Mein Mann hatte unsere Mappe dabei und hat fleißig meine Fragen abgearbeitet. Die Maklerin wollte wegen des Datenschutzgesetzes erst nicht unsere Mappe annehmen, aber mein Mann hat sie nicht auskommen lassen. Wir mussten am nächsten Tag ihr ein Formblatt unterschreiben, dass sie unsere Daten verarbeiten darf.

Mein Mann war bei dem Besichtigungstermin nicht der einzige Besucher. Es war noch ein Paar etwas älter, als wir ohne Kinder, sowie ein alleinstehender Mann im Anzug, der ziemlich arrogant mit den Leuten umgegangen ist. Und da stand mein Mann mit zwei Kindern, nicht im Anzug (aber im Hemd) und unseren Unterlagen.

Ein paar Tage später bekamen wir den Anruf, dass uns der Vermieter kennenlernen möchten. Heißt das wir sind in der engeren Wahl? Wir haben uns gefreut und so hatte ich die Möglichkeit das Haus auch noch einmal zu sehen. Wir haben uns gleich gut verstanden und er hat uns erzählt, wie sein Vater die Böden verlegt hat und das in dem Haus viel helles Holz verbaut ist und das nicht jedermanns Geschmack sei. Mein Vater ist Schreinermeister! Schon mein Opa war Schreinermeister und ich habe mich sofort wohlgefühlt. Wir haben ihm am Ende des Termins gesagt, dass wir uns sehr freuen würden, wenn wir die Zusage bekommen würden. Er meinte, wir sollten der Maklerin Bescheid sagen und ich habe ihr sofort eine E-mail zu Hause geschickt (es war Freitagabend).

Die Zusage

Am Montag kam die Zusage! Wir waren aus dem Häuschen! Wir haben hier seit Jahren geschrieben, dass mehr Wohnraum unser großes Ziel nach der Schuldenfreiheit ist. Es ist endlich so weit! Wir haben sofort unterschrieben und die Verträge zurückgeschickt. Die letzten Tage waren einfach surreal.

Lasset den Stress beginnen

Ja, halt! So einfach geht das natürlich nicht. Wir hatten noch drei Monate Kündigungsfrist. Wir haben, nachdem wir den gegengezeichneten Vertrag in der Hand hatten die Immobiliengesellschaft angerufen und gesagt, dass wir kündigen wollen. Da wir es ja auch (noch) nicht dicke haben, wollen wir vermeiden doppelt Miete für das Haus und die Wohnung zahlen. Der Herr meinte, wir können kündigen und wir können Vorschläge für Nachmieter machen, aber es läge bei seinem Chef, ob diese akzeptiert werden (drückt uns die Daumen!!).

Da unsere Wohnung noch möbliert war und überall unsere privaten Familienbilder hingen, haben wir in der lokalen Facebookgruppe und auf einer Immobilienplattform eine Anzeige geschaltet mit einer Skizze, sowie einer Beschreibung, dass unser Umzug noch diesen Monat stattfindet und das die Wohnung zum 1.1. übernommen werden muss. Wir wurden überflutet. Da es sich für uns nicht gut angefühlt hat zu einer Massenbesichtigung zu gehen, haben wir Termine im 30 Minuten Takt vergeben. Was für ein Fehler! 60 % der Herrschaften ist erst gar nicht erschienen. 90 % der nicht erschienenen Herrschaften habe nicht einmal den Anstand gehabt abzusagen. Unsere Nachbarin schräg gegenüber hat mir schon vor zwei Jahren gesagt, ihre Eltern wären interessiert, wenn wir jemals ausziehen würden. Ihre Eltern haben dann auch den ersten Besichtigungstermin erhalten und ich drücke Ihnen die Daumen, dass sie die Wohnung bekommen. Sie waren nett, pünktlich und zuvorkommend. Man denkt, das wäre normal, aber das ist es nicht.

Wir haben angegeben, welche Unterlagen der Vermieter benötigt und das diese noch diese Woche eingereicht werden müssen, da die Feiertage bevorstehen. Die Leute kamen unvorbereitet und haben sich teilweise beschwert, dass die Wohnung so klein ist. Dabei war in der Anzeige angegeben, dass es wirklich nur 60 Quadratmeter sind. Es war auch komisch, fremde Leute durch deine Wohnung zu lotsen. Es gibt wohl nichts Intimeres.

Die nächsten Schritte

In den Kleinanzeigen habe ich sofort Umzugskartons erstanden (15 Kartons für 10 Euro, nach ein bisschen Handeln). Im neuen Haus müssen wir im Keller, sowie im Ober- und Dachgeschoss noch Laminat verlegen. Dafür dürfen wir das Haus schon Mitte Dezember mietfrei bis Anfang Januar beziehen. Wie ihr seht, sind wir im Stress. Positiv, hoffnungsvoll, dennoch im Stress. Die Nachmietersuche läuft, wir haben den Keller und die Hälfte unserer Wohnung bereits verpackt, Bilder abgehängt und Löcher gestopft. Sonntagabend haben wir angefangen zu streichen. Unsere ganzen Einkäufe (und Rechnungen), sowie unser Umzugschaos könnt ihr auf Instagram verfolgen. Wenn ihr wollt, kann ich euch einmal durch unsere kleine leere Wohnung führen (ich habe das noch nie getan, also erwartet kein Video-Meisterwerk, aber ich tue mein Bestes!). Also besinnlich wird der Advent für uns dieses Jahr nicht. Dafür sind wir hoffnungsvoll, dass wir Hl. Abend in unserem neuen Haus verbringen.

Die Küche ist übrigens älter und wir können diese später, wenn wir möchten mit einer eigenen austauschen. Das ist perfekt für uns! Wir hätten gerne unsere eigene Küche. Aber diese wollen wir bar bezahlen.

Einen Nachsendeantrag bei der Post für unseren bevorstehenden Umzug haben wir auch schon bestellt. Ihr könnt ein paar Euro sparen, wenn ihr es online macht. Nach der Zusage habe ich bereits eine Liste mit Leuten und Firmen erstellt, die wir von unserem Umzug unterrichten müssen. Die Ersten habe ich per E-mail informiert. Mit der Bestätigung der Post kamen übrigens auch noch Coupons für diverse Baumärkte.

Sobald wir diese Woche die Schlüssel bekommen, werden wir unsere ersten Kisten mit unserem Kombi zu unserem neuen Haus fahren. Wir hoffen, dass wir am kommenden Wochenende Laminat verlegen können. In der darauffolgende Woche (die Woche vor Weihnachten!) haben wir Studenten gebucht für den Umzug, sowie einen Sprinter für die größeren Sachen wie Waschmaschine, Trockner, Kühlschrank, Betten etc. Wir haben den Umzug so gelegt, dass unsere Kinder im Kindergarten sind. Das heißt wir sparen uns das Geld für die Babysitterin. Die Babysitterin werden wir dennoch benötigen, wenn wir die Böden verlegen. Mit den zwei wilden Mädchen kommen wir sonst zu nichts.

Die Zukunft

Wir hoffen dieser Umzug ist für uns die Trendwende, nach diesem katastrophalen Jahr. Im Januar werden wir dann noch Kaution zahlen und wahrscheinlich noch im Februar. Die Schuldentilgung zieht sich also noch ein bisschen. Aber wie bereits beim Auto muss man andere Ziele manchmal zwischen schieben. Sobald wir eingezogen sind und die Rechnungen beglichen sind, geht die Schuldentilgung weiter. Der Umzug in unser eigenes Haus ist immer noch unser großer Traum. Als Ziel haben wir und Mitte 2024 gesteckt. In diesem Jahr ist unsere Tochter mit der Grundschule fertig und unsere Kleine wird in die erste Klasse kommen. Es wäre also der perfekte Zeitpunkt, falls wir dann nichts in unserer Gemeinde zu einem bezahlbaren Preis finden. Also erst Umzug, dann Schuldentilgung (und immer noch endlich ein Urlaub!) und dann auf unser Eigenheim sparen (und auf die Rente auch).

Habt ihr noch Tipps für unseren Umzug?

Bild: Canva

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