Statt einem Budget gibt es ein Update

Es ist Ende Oktober und eigentlich Zeit für unser nächstes Budget, statt dessen gibt es ein Update zu unserer Familie. Aber wir können nicht daran denken. Stattdessen schreibe ich mir von der Seele, was die letzten Monate passiert ist.

Die innerliche Unruhe im Sommer

Im Sommer hat mich ja diese Unruhe gepackt. Als würden wir umziehen. Ich habe den Garten so weit wie möglich geräumt. Den Zaun von unserem verstorbenen Hund und kaputte Blumentöpfe zum Wertstoffhof gebracht. Egal was ich gemacht habe, ich kam nicht zur Ruhe. Mein Mann fand es belustigend und ich konnte es nicht abschütteln. Ich hatte das Gefühl, irgendetwas stünde bevor.

Dann kam der Brand

Dann hat es gebrannt. War das der Grund für meine Unruhe? Die Wochen danach waren stressig. Das Gefühl der Sicherheit war verschwunden. Der Geruch des geschmolzenen Plastiks erschlug mich förmlich jedes Mal, wenn ich die Wohnungstür öffnete. Sobald ich den Geruch wahrgenommen habe, bekam ich eine Gänsehaut.

Dann kam die Überraschung

Ich war schwanger und habe ungläubig den Schwangerschaftstest angestarrt. Mein Mann war ebenso geschockt. Der Brand und der dazugehörige Stress haben wohl meinem Körper und somit meinen Zyklus zugesetzt. Das Kind war von der ersten Sekunde an geliebt. Aber wir haben absolut nicht mit dieser Überraschung gerechnet.

Was nun?

Wir haben es erst einmal sacken lassen und die ersten Untersuchungen abgewartet. Und wie schon angedeutet im September stehen wir vor Entscheidungen. Wie sich schnell herausgestellt hat, können wir in unserem “neuem” gebrauchten Auto keinen dritten Kindersitz unterbringen. Was machen wir mit dem Kinderwagen? Unsere Tochter ist gerade eins geworden. Welcher größerer Kinderwagen passt in welches größere Auto, dass bequem drei Kindersitze fassen kann (die Auswahl ist übrigens sehr begrenzt!). Und die Frage aller Fragen: Stoppen wir (temporär) unseren Masterplan damit wir in eine größere Wohnung oder ein Reihenhaus (hey wir wären dann zu fünft!) ziehen können? Wir haben für Wochen das für und wider diskutiert.

Mein Mann wollte umziehen. Ich wollte schuldenfrei sein, damit wir ein größeres Budget für die Miete haben (die hier sowieso jenseits von Gut und Böse liegt). Dazu hätte das Baby in den ersten Monaten eh neben unserem Bett geschlafen. Das wäre aber auch der letzte freie Platz in der Wohnung gewesen. Immerhin wohnen wir zu viert auf 60 Quadratmeter. Wir waren uns am Schluss einig im Sommer umzuziehen, damit unsere Tochter ihr letztes Kindergartenjahr mit ihren Freunden beenden kann. Das wollten wir ihr nicht nehmen.

Mitte Oktober

Haben wir die magische 12 Wochen Grenze überschritten. An Allerheiligen wollten wir es meiner Familie mitteilen. Die Vorfreude stieg mit jedem Tag. Unsere Große hat schon Pläne geschmiedet wo das Kind am Tisch sitzen wird. Am 23. Oktober hatten wir dann wieder einen Vorsorgetermin. Ich war in der 15. Woche und konnte es kaum abwarten unser Kind wieder hüpfen zu sehen. Aber es hat sich nicht bewegt. Ich habe sofort gewusst es stimmt was nicht und habe versucht den Blick meines Mannes zu erhaschen, der nur auf den Bildschirm gestarrt hat. Meine Frauenärztin meinte nun: Wir haben ein Problem. Ich kann keine Herzaktion finden.

Mein Mann nahm meine Hand. Ich hab bitterlich geweint. Ich war im zweiten Trimester. Wie kann sowas passieren? Ich habe doch die schwierige Phase hinter mir! Wir bekamen eine Überweisung zur Klinik. Am nächsten Tag habe ich den Termin für den darauffolgenden Tag gemacht. Und recherchiert. Ich hatte keine Ahnung, was auf uns zukommt. Wir haben uns alleine gefühlt. Man bekommt keinen Flyer mit den nächsten Schritten. Wie sich herausgestellt hat, werden Fehlgeburten unter 500 Gramm in eine Sammelbestattung beigesetzt. Ich habe mein Kind auf dem Ultraschall gesehen. Es ist mein Kind. Wir konnten uns das nicht vorstellen. Mein Onkel und meine Tante haben uns angeboten, das Kind bei meinen Großeltern zu bestatten.

Aber dies ist Deutschland

Und wir haben Gesetze! Meine Familie wohnt 270 Kilometer weit weg. Das Kind muss also von einem Bestattungsunternehmen überführt werden. Meine Handvoll Kind, dass ich nur in Ruhe beisetzen wollte in aller Stille. Also musste ich Bestattungsunternehmen anrufen. Einen Tag nachdem ich mein Kind verloren hatte. Das erste Unternehmen war kühl und meinte, ich sollte mich lieber in Franken umhören, die wären günstiger. Der zweite Herr eines anderen Unternehmen war einfühlsamer und stand mir gleich zur Seite, somit blieben nicht mehr viele Fragen offen.

Die Finanzen..

Auf unserem Blog geht es um Familie und Finanzen. Daher werde ich auch diesen Punkt ansprechen. Auch wenn wir in tiefer Trauer stecken, müssen wir noch genug Geld haben, um unsere Töchter zu ernähren. Außerdem habe ich die Kosten gegoogelt und konnte nichts finden. Vielleicht findet dieser Post ja eine Familie, die auch nicht wusste was auf sie zukommt und genauso vor dem Kopf gestoßen ist wie wir es sind.

Für die Überführung (ohne Beerdigung, da meine Familie dies vor Ort übernehmen wird) wären bei Unternehmen Nr. 1 laut des Herrn grob 1.500 Euro fällig gewesen. Um mein 7 cm großes Kind abzuholen und nach Franken zu transportieren (hätten wir uns für Kremation und Postversand entschieden wären wir bei demselben Betrag gelandet). Aufgeschlüsselt hat er die Kosten nicht.

Unternehmen Nr. 2 hat uns ein Angebot über 1,190 Euro gemacht. Beinhaltet Papiere beim Standesamt, ein kleiner weißer Sarg, und die Überführung. Die Überführung kostet ca. 1,40 Euro pro Kilometer. Der Rest waren gut 500 Euro. Wir haben es angenommen und die Formulare ausgefüllt. Das schlimmste war den Verwandtschaftsgrad “Mutter und Vater” einzutragen.

Daher erst einmal kein Budget

Der Eingriff liegt hinter mir. Die Emotionen spielen Achterbahn. Wir sind immer noch geschockt, enttäuscht, traurig, fassungslos, und auch manchmal wütend. Wir werden in den kommenden Tagen unseren Sohn beisetzen. Ich habe Angst vor den kommenden Wochen und Monaten. Vor der Zeit rund um den eigentlichen Entbindungstermin im April. Geplant war bis Ende des Jahres schuldenfrei zu sein. Zwischenzeitlich meinte mein Mann, es wird wohl Februar. Wir wollen immer noch bis Juli umziehen, damit unsere Tochter in der 1. Klasse nicht die Schule wechseln muss.

Aber im November gibt es kein Budget. Oder vielleicht keine Tilgung. Wir werden uns Pizza liefern lassen, wenn uns danach ist. Wir werden Abschied nehmen, auch wenn es einiges kostet bin ich mir sicher wir werden es nie bereuen. Eigentlich würden wir am liebsten ein paar Tage verreisen. Aber ich hab keinen Urlaub. Vielleicht verreisen wir um den geplanten Entbindungstermin herum. Ich kann mir nicht vorstellen hier zu sein. Ich weiß wir sind kurz vor dem Ziel. Aber das ist jetzt unser Überlebenskampf, damit wir nicht zugrunde gehen. Wir haben zwei tolle Mädchen. Ich bin dankbar für die beiden. Aber unser Sohn wird uns für immer fehlen.

Wenn du hier so weit noch immer unser Update liest: Danke! Danke, dass ich mir alles von der Seele schreiben durfte. Und falls du über Google hier bist, weil du nach Kosten für die Beerdigung deines Sternenkindes gesucht hast, fühl dich umarmt, den ich habe keine Worte, die dich trösten könnten.

Bild: Canva

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